Kurzgefasst
Im Mittelpunkt der einzigen ernsten Oper Jacques Offenbachs, die sich an den Bühnen durchsetzen konnte, steht E.T.A. Hoffmann, der Prototyp des deutschen romantischen Künstlers. Freilich interessierte den Komponisten keine musikalische Biografie des Dichters. Ihm wurde der Autor der fantastischen Erzählungen zum Prototyp des romantischen Künstlers mit seinem Leben am Rande des Abgrunds, seinen Zweifeln, grossen Einfällen, tiefen Krisen. Das Stück basiert zwar auf der Biografie Hoffmanns, vermischt sie aber mit Motiven aus seinen Werken und denen anderer romantischer Autoren, so dass ein ganz eigenes Künstlerdrama entstand. In seiner berühmten Offenbach-Studie beschreibt Siegfried Kracauer diese Oper als ein Selbstporträt des Komponisten: So wie es Hoffmann nicht gelingt, das ersehnte Liebesglück zu finden, blieb es dem Komponisten zeit seines Lebens versagt, seine erträumte grosse Oper zu schreiben. Wenn Offenbachs Schmerzenskind auch unvollendet blieb, gewann es mit seiner eingenwilligen Mischung aus bizarr-alptraumhaften, komischen und gefühlvollen Momenten schnell die Herzen des Publikums und sicherte sich einen festen Platz im Opernrepertoire der Bühnen der Welt. Generalmusikdirektor Fabio Luisi dirigiert diese Wiederaufnahme, die Titelpartie singt Bryan Hymel, die drei weiblichen Hauptrollen verkörpern Jane Archibald, Rachel Harnisch und Alexandra Tarniceru.