Matthäus-Passion

26. März 2026

Johann Sebastian Bach: Matthäus-Passion BWV 244

  • Weitere Informationen:
    Im Rahmen von Zürich Barock

Musikalische Leitung:
Raphaël Pichon

Raphaël Pichon

Raphaël Pichon begann seine musikalische Ausbildung mit Studien in Gesang, Violine und Klavier an den Pariser Konservatorien. Als junger Countertenor sang er unter Dirigenten wie Jordi Savall, Ton Koopman und Geoffroy Jourdain. 2006 gründete er das Ensemble Pygmalion, mit dem er seither u. a. in der Pariser Philharmonie, im Schloss Versailles, bei den BBC Proms, im Wiener Konzerthaus, in der Kölner Philharmonie, im Palau de la Música Catalana in Barcelona, beim French May Arts Festival in Hongkong sowie beim Pekinger Musikfestival auftrat. Er leitete Opernproduktionen an der Pariser Opéra-Comique, am Bolschoi-Theater in Moskau, an der Amsterdamer Oper sowie an der Opéra national de Bordeaux und arbeitete mit Regisseur:innen wie Katie Mitchell, Romeo Castellucci, Simon McBurney, Pierre Audi, Jeanne Candel, Satoshi Miyagi und Jetske Mijnssen. 2020 gründete er das Festival Pulsations in Bordeaux. Höhepunkte umfassen sein Debüt beim Festival d’Aix-en-Provence mit der Bach-Produktion «Trauernacht», die Neuentdeckung von Luigi Rossis «Orfeo» an der Opéra national de Lorraine und an der Opéra Royal de Versailles, Monteverdis «Marienvesper» beim Holland Festival, Brahms’ «Deutsches Requiem» in der U-Boot-Basis in Bordeaux, Castelluccis Mozart-«Requiem» in Aix-en-Provence sowie «L’autre voyage», eine Neukreation mit Musik von Schubert, an der Opéra-Comique in Paris. 2023 dirigierte er die Wiener Philharmoniker in «Le nozze di Figaro» bei den Salzburger Festspielen. Zu seinen zahlreichen Einspielungen gehören die Alben «Enfers» (2018) und Libertà!» (2019) sowie jüngst Bachs h-Moll-Messe (2025). Raphaël Pichon ist Offizier des französischen Ordre des Arts et des Lettres.

Matthäus-Passion26 März 2026

Besetzung


Jesus Stéphane Degout


Evangelist Julian Prégardien


Pilatus Christian Immler


Sopran 1 Julie Roset


Sopran 2 Maïlys de Villoutreys


Alt 1 Lucile Richardot


Alt 2 Pau-Antoine Bénos-Djian


Tenor 2 Zachary Wilder

Stéphane Degout

Der französische Bariton Stéphane Degout schloss sein Studium am Konservatorium von Lyon ab, wo er auch Mitglied des Opernstudios war. Auf sein Debüt als Papageno («Die Zauberflöte») beim Festival d’Aix-en-Provence folgten Einladungen u. a. an die Opéra National, das Théâtre des Champs-Élysées und die Opéra Comique in Paris, an die Staatsoper Unter den Linden Berlin, das La Monnaie in Brüssel, Theater an der Wien, Teatro alla Scala, die Lyric Opera of Chicago, Metropolitan Opera, Bayerische Staatsoper, Niederländische Nationaloper, Grand Théâtre de Genève, Opernhaus Zürich, sowie zu den Festivals in Salzburg, Glyndebourne, Edinburgh und Aix-en-Provence. Sein Opernrepertoire umfasst Rollen wie Oreste («Iphigénie en Tauride»), Wolfram («Tannhäuser»), Rodrigue («Don Carlos»), Valentin («Faust»), Golaud («Pelléas et Mélisande»), Comte («Le nozze di Figaro»), sowie die Titelrollen in Ambroise Thomas’ «Hamlet», Monteverdis «Orfeo», «Il ritorno d’Ulisse in patria», in Tschaikowskis «Jewgeni Onegin» und Alban Bergs «Wozzeck». Darüber hinaus sang er in zahlreichen Liedrecitals und Konzerten u. a. mit Pianisten wie Alain Planès, Simon Lepper, Cédric Tiberghien und Martha Argerich, sowie dem Chicago Symphony Orchestra unter Riccardo Muti, dem Los Angeles Philharmonic unter Esa-Pekka Salonen, dem London Philharmonic Orchestra, dem Concertgebouw Orchestra, dem Orchestre National de Montpellier. 2012 wurde er zum «Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres» ernannt, erhielt Auszeichnungen bei den Victoires de la Musique Classique und 2022 den Opera Award. Zu seinen Einspielungen gehören Lieder von Debussy, Ravel und Fauré bei Harmonia Mundi sowie die preisgekrönte CD «Enfers» mit dem Ensemble Pygmalion und Raphaël Pichon.

Le nozze di Figaro24 / 29 Jan. / 1 / 5 / 7 / 10 / 14 Feb. 2026 Matthäus-Passion26 März 2026

Julian Prégardien

Der Tenor Julian Prégardien, in Frankfurt geboren, erhielt seine erste musikalische Bildung in den Chören der Limburger Dommusik. Nach Studien in Freiburg und an der Akademie des Opernfestivals von Aix-en-Provence war er von 2009 bis 2013 Ensemblemitglied der Oper Frankfurt. Parallel entwickelte sich seine internationale Konzerttätigkeit. 2023 führte er anlässlich des 200. Jahrestags von Schuberts «Die schöne Müllerin» den Zyklus an zehn Orten in Wien auf. Anschliessend gründete er das Festival Liedstadt, das 2024 erstmals in Hamburg stattfand und künftig in Weimar, Berlin, Leipzig und Salzburg weitergeführt wird. 2018 debütierte er bei den Salzburger Festspielen als Narraboth («Salome») mit den Wiener Philharmonikern unter Franz Welser-Möst. Weitere Höhepunkte waren Don Ottavio («Don Giovanni») bei der Mozartwoche und den Salzburger Festspielen, das Mozart-«Requiem» in Neapel sowie Tamino («Die Zauberflöte») in Cleveland und an den Staatsopern in Berlin und Wien. Zu seinen jüngsten Konzertengagements zählen Bachs «Matthäus-Passion» mit den Wiener Philharmonikern, sein Carnegie-Hall-Debüt mit dem Orchestra St. Luke’s sowie Auftritte mit dem Oslo Philharmonic, dem Royal Concertgebouw Orchestra unter Klaus Mäkelä, dem BR-Symphonieorchester unter Sir John Eliot Gardiner und Riccardo Muti sowie mit dem Ensemble Pygmalion unter Raphaël Pichon. Seit 2017 ist er Professor für Gesang an der Hochschule für Musik und Theater München; 2025/26 Artist in Residence im Wiener Konzerthaus. Seine Aufnahmen umfassen Lieder von Schubert und Schumann; 2024 ist in erster Zusammenarbeit mit harmonia mundi Schuberts «Die schöne Müllerin» mit Kristian Bezuidenhout am Hammerklavier erschienen.

Matthäus-Passion26 März 2026

Christian Immler

Der deutsch-schweizerische Bassbariton Christian Immler studierte bei Rudolf Piernay in London und ist Gewinner der International Nadia et Lili Boulanger Competition in Paris. Sein Opernrepertoire umfasst Partien vom Barock bis zur zeitgenössischen Musik, u. a. Seneca («L’incoronazione di Poppea»), Borée (Rameaus «Les Boréades»), Komtur («Don Giovanni»), Sprecher («Die Zauberflöte»), Rocco («Fidelio»), Eremit («Der Freischütz») und Mock Turtle in Unsuk Chins «Alice in Wonderland». Er sang Fasolt («Das Rheingold») mit dem Ensemble Concerto Köln unter Kent Nagano, den Musiklehrer in Strauss’ «Ariadne auf Naxos» in Luxembourg und Pilatus in der «Johannes-Passion» auf Tournee mit dem Ensemble Pygmalion und Raphaël Pichon. Konzerthöhepunkte waren Mahlers 8. Sinfonie mit dem Minnesota Symphony Orchestra, Zemlinskys «Lyrische Sinfonie» mit dem Orchestre National de France, Detlev Glanerts «Prager Sinfonie» mit dem Concertgebouworkest, dem Gewandhausorchester Leipzig und den Tschechischen Philharmonikern, sowie Requiem-Vertonungen von Dvořák, Brahms, Mozart, Fauré und Verdi in Zusammenarbeit mit u. a. Nikolaus Harnoncourt, Herbert Blomstedt, René Jacobs, Masaaki und Masato Suzuki, Ivor Bolton, Daniel Harding, Kent Nagano, Marek Janowski, Philippe Herreweghe und William Christie. Er gastierte in der Wigmore Hall in London, in der Pariser Philharmonie und im Salzburger Mozarteum und gab Rezitals mit u. a. Helmut Deutsch, Kristian Bezuidenhout und Silvia Fraser. Mehr als 60 vielfach preisgekrönte Aufnahmen (Grammy-Nominierung, Echo und Opus Klassik Award, Diapason d’Or) belegen seine Arbeit. Christian Immler promovierte in Musikwissenschaft und unterrichtet als Gastprofessor in Oslo.

Matthäus-Passion26 März 2026

Julie Roset

Die französische Sopranistin Julie Roset absolvierte ihre Ausbildung am Conservatoire du Grand Avignon, an der Haute École de Musique de Genève sowie an der Julliard School in New York. 2022 gewann sie die Metropolitan Opera Laffont Competition und 2023 Plácido Domingos Operalia. Bei den Victoires de la Musique Classique wurde sie 2025 zur «Révélation Lyrique» gekürt. Ihren Durchbruch erzielte sie 2023 als Zémire («Zémire et Azor») an der Opéra Comique und debütierte im Jahr darauf als Amour in Charpentiers «Médée» in der Inszenierung von David McVicar an der Opéra National de Paris. Sie verkörperte Amore und Valletto («L’incoronazione di Poppea») beim Festival d’Aix-en-Provence, sang Euridice und La Musica («L’Orfeo») am Teatro Real in Madrid und kehrte als L’Ange in Claus Guths «Samson»-Inszenierung zum Festival d’Aix-en-Provence sowie an die Opéra Comique zurück. Mit Romeo Castelluccis Inszenierung von Mahlers 2. Sinfonie debütierte sie beim Orchestre de Paris sowie bei den Salzburger Opernfestspielen und trat in Salzburg ausserdem in konzertanten Aufführungen als Tamiri («Il re pastore») und Ismene («Mitridate, re di Ponto») auf. Julie Roset pflegt enge Verbindungen zu führenden Barockensembles wie Cappella Mediterranea, Le Concert de la Loge, Les Arts Florissants und Twelfth Night. Mit letzterem debütierte sie 2024 in der New Yorker Carnegie Hall. 2022 erschien beim Label Ricercar ihre Einspielung von Händel-Arien mit dem Millenium Orchestra unter dem Titel «Salve Regina». Mit ihrem eigenen Vokalensemble La Néréide veröffentlichte sie das Debütalbum «Luzzaschi: Il Concerto Segreto» und jüngst im Herbst 2025 die Einspielung «Le cœur et la raison».

Matthäus-Passion26 März 2026

Maïlys de Villoutreys

Die französische Sopranistin Maïlys de Villoutreys begann ihre sängerische Ausbildung im Kinderchor Maîtrise de Bretagne sowie als Kinderdarstellerin an der Opéra de Rennes. Ihr Gesangsstudium absolvierte sie an den Konservatorien in Rennes und Paris und kehrte später u. a. als Pamina und Königin der Nacht («Die Zauberflöte») sowie als Barbarina («Le nozze di Figaro») an die Opéra de Rennes zurück. Ihr Opernrepertoire umfasst ausserdem u. a. die Rollen Miss Ellen («Lakmé»), Amour (Glucks «Orfeo ed Euridice») und Clarine («Platée»), die sie an der Opéra de Rouen, Opéra Royal de Versailles sowie in Saint-Étienne und Marseille verkörperte. Sie arbeitet regelmässig mit führenden Barockensembles wie dem Ensemble Pygmalion unter Raphaël Pichon, Les Musiciens du Louvre unter Marc Minkowski, Concerto Soave, Les Folies Françoises und Le Banquet Céleste. Eine enge Zusammenarbeit verbindet sie mit dem Ensemble Amarillis, mit dem sie als Clarice in Antoine Dauvergnes und Gérard Pessons Oper «La Double Coquette» auf Tournee bei der Scène Nationale de Besançon, am Grand Théâtre d'Angers, beim Croisements Festival in Beijing, French May Festival in Hong Kong, Festival de Sablé-sur-Sarthe, am Théâtre de la Ville Paris, L'Arsenal in Metz, bei den Kunstfestspielen Hannover sowie in den USA auftrat. 2019 verkörperte sie die Prinzessin in Gérard Pessons «Trois Contes» an der Opéra de Lille. Ihre Diskografie umfasst die Aufnahmen «Songs of Jean-Benjamin de Laborde» mit dem Trio Dauphine, «Il pianto della Madonna» mit dem Ensemble Desmarest sowie die Einspielung von Élisabeth Jacquet de La Guerres wiederentdeckten Kantaten «Judith et Sémélé».

Matthäus-Passion26 März 2026

Lucile Richardot

Die französische Mezzosopranistin Lucile Richardot schlug zunächst eine journalistische Laufbahn ein, bevor sie an der Maîtrise de Notre-Dame de Paris und am Conservatoire à Rayonnement Régional de Paris Gesang studierte. 2025 wurde sie bei den Victoires de la Musique Classique als «Opernsängerin des Jahres» ausgezeichnet. Sie arbeitet regelmässig mit renommierten Ensembles, u. a. Il Seminario Musicale, Les Paladins, das Ensemble intercontemporain, Collegium 1704, Il Giardino Armonico, The English Concert, Ensemble Pygmalion, Les Accents, Les Arts Florissants und Les Musiciens de Saint-Julien. Gastengagements führten sie u. a. an die Opéra de Rouen, Opéra-Comique und das Théâtre des Champs-Élysées in Paris, zum Festival d’Aix-en-Provence, ans Teatro La Fenice in Venedig, in die Carnegie Hall, an die Mailänder Scala, zu den Salzburger Festspielen sowie nach Rotterdam, London, Liverpool, Amsterdam, Prag, Hamburg, Wrocław, Madrid, Boston und Toronto. Sie sang Partien wie Messaggera («L’Orfeo»), Juno und Ino («Semele»), Sorceress und Spirit («Dido und Aeneas»), Cornelia («Giulio Cesare»), Goffredo («Rinaldo»), Geneviève («Pelléas et Mélisande»), Gertrude in Thomas’ «Hamlet», Mescalina («Le Grand Macabre») und Madame de Croissy in Poulencs «Dialogues des Carmélites». Sie arbeitete u. a. mit den Dirigent:innen John Eliot Gardiner, Susanna Mälkki, Philippe Jaroussky, Raphaël Pichon und Sébastien Daucé. Für das Label harmonia mundi nahm sie mehrere preisgekrönte Aufnahmen auf, darunter 2023 «Les heures claires», die erste Gesamteinspielung der Lieder von Nadia und Lili Boulanger. Ihr jüngstes Solo-Album «Northern Light» mit dem Ensemble Correspondances ist 2025 erschienen.

Matthäus-Passion26 März 2026

Pau-Antoine Bénos-Djian

Der französische Countertenor Paul-Antoine Bénos-Djian studierte am Centre de Musique Baroque de Versailles sowie am Pariser Konservatorium und ist Preisträger der HSBC Révélation beim Festival d’Aix-en-Provence. Zu seinen Auftritten zählen u. a. Oberon («A Midsummer Night’s Dream») an der Opéra de Rouen, die Titelrolle in «Giulio Cesare» beim Festival de Beaune, Alessandro («Tolomeo») mit il Pomo d’Oro, Farnace («Mitridate, re di Ponto») an der Berliner Staatsoper und in Valencia, «Rodelinda» mit Le Concert d’Astrée unter Emmanuelle Haïm, «Rinaldo» an der Opéra de Rennes, Scarlattis «Cain, overo Il primo omicidio» mit Philippe Jaroussky bei den Salzburger Pfingstfestspielen sowie seine Debüts in «Ariodante» am Moskauer Bolschoi-Theater und in «La Nuit des rois» an der Comédie-Française. In jüngerer Zeit sang er Ottone («L’incoronazione di Poppea») in Rennes und Köln, Porporas «Polifemo» an der Opéra national du Rhin unter Emmanuelle Haïm, Rezitals mit dem Ensemble Café Zimmermann, die Titelrolle in Scarlattis «Il Mitridate Eupatore» im Concertgebouw Amsterdam sowie Händels «Messiah» mit dem Kammerchor Accentus in Frankreich und Spanien. Er gab ein Bach-Rezital in Brüssel, sang in der «Matthäus-Passion» an der Opéra de Rennes, in «Tamerlano» mit dem Freiburger Barockorchester unter René Jacobs und verkörperte Endimione in Cavallis «La Calisto» beim Festival d’Aix-en-Provence. Jüngste Projekte umfassen Händels «Ariodante» und Händels «Messiah» an der Opéra Royal de Versailles. 2022 erschienen CD-Einspielungen von Purcells «Royal Odes» mit Le Banquet Céleste bei Alpha und Händels «Theodora» mit Joyce DiDonato, Lisette Oropesa, Michael Spyres und il Pomo d’Oro bei Erato.

Matthäus-Passion26 März 2026

Zachary Wilder

Der amerikanische Tenor Zachary Wilder studierte an der Eastman School of Music in Rochester und an der Moores School of Music der Universität Houston. 2013 wurde er als Stipendiat in William Christies Akademie Le Jardin des Voix aufgenommen. Er arbeitet seither regelmässig mit Ensembles wie Pygmalion, Les Arts Florissants, L’Arpeggiata, Les Talens Lyriques, Le Concert d’Astrée, dem Boston Early Music Festival Orchestra, dem Bach Collegium Japan, dem Handel & Haydn Society Orchestra, der Nederlandse Bachvereniging und dem Nederlands Kamerkoor sowie mit grossen Klangkörpern wie dem Royal Philharmonic, San Francisco Symphony und Saint Louis Symphony Orchestra. Er sang u. a. Vaughan Williams’ «On Wenlock Edge» und Brittens «Nocturne» mit dem Charlottesville Symphony sowie in Frank Zappas «200 Motels» in Strasbourg und in der Philharmonie de Paris. Unter Francesco Corti ging er mit Händels «Radamisto» und Il pomo d’oro auf Tournee, sang in «The Fairy Queen» und Lullys «Armide» bei der Drottningholm Opera sowie die «Matthäus-Passion» auf Tournee mit dem Freiburger Barockorchester. An der Opéra de Montpellier verkörperte er Erinda in Sartorios «L’Orfeo» und gab sein Debüt in der Titelrolle in Mozarts «Mitridate» mit der Capella Cracoviensis, beides unter Philippe Jaroussky. Weitere Engagements umfassen Agenore («Il re pastore») am Salzburger Mozarteum und beim Müpa Budapest, Basilio («Le nozze di Figaro») mit Raphaël Pichon und Pygmalion sowie Romeo Castelluccis «Le lacrime di Eros» an der Niederländischen Nationaloper. 2025 sang er Linfea in Cavallis «La Calisto» beim Festival d’Aix-en-Provence. Seine Diskografie umfasst Aufnahmen für u. a. Ricercar, Glossa und harmonia mundi.

Matthäus-Passion26 März 2026
Ganze Besetzung anzeigen Weniger anzeigen
Kinderchor

Ensemble Pygmalion

Pygmalion wurde 2006 von Raphaël Pichon gegründet. Das Ensemble besteht aus einem Chor und einem Orchester, das auf historischen Instrumenten spielt. Der Klangkörper hinterfragt Zugriffe auf die grossen Werke des Repertoires, darunter die Passionen von Bach, die Tragédies lyriques von Rameau, Mozarts Grosse Messe in c-Moll und «Requiem», Mendelssohns «Elias» oder Monteverdis «Marienvesper». Pygmalion hat regelmässig Auftritte auf den grossen französischen Bühnen und bei Festspielen (u. a. Philharmonie de Paris, Opéra royal de Versailles, Opéra-Comique, Aix-en-Provence, Toulouse, Saint-Denis, Royaumont, Nancy, Metz, Montpellier) sowie international u. a. in Hamburg, Köln, Frankfurt, Essen, Salzburg, Wien, Amsterdam, Peking, Hongkong, Barcelona und Brüssel. Das Ensemble erarbeitete Opernproduktionen mit Regisseur:innen wie Katie Mitchell, Romeo Castellucci, Simon McBurney, Aurélien Bory, Jetske Mijnssen, Pierre Audi, Valérie Lesort und Christian Hecq, Cyril Teste, Clément Cogitore und Michel Fau. Pygmalion ist Residenz-Ensemble an der Oper von Bordeaux, wo eine Reihe von Kammermusikkonzerten und pädagogischen Workshops entstanden sind, u. a. der «Kiosque Pygmalion» und das Festival Pulsations. Seit 2014 spielt Pygmalion Aufnahmen für das Label harmonia mundi ein. Die Diskografie wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Diapason d’or, dem Victoire de la musique Classique, dem Choc Classica, dem Gramophone Award und dem Preis der deutschen Schallplattenkritik.

Matthäus-Passion26 März 2026

SoprAlti der Oper Zürich

Als während der Spielzeit 1999/00 für die verschiedensten Opern und Operetten ausschliesslich die älteren Mitglieder des Kinderchores benötigt wurden, begann das Ensemble durch das häufige gemeinsame Proben bald eine eigene Dynamik zu entwickeln und entsprang schlussendlich im Juli 2002, zur Première von Carmen, definitiv dem Kinderchor: Der Jugendchor war informell geboren. Zu Beginn der Spielzeit 2010/11 wurde der Name des Chores in "SoprAlti der Oper Zürich" umgeändert.Heute ist der Chor fester Bestandteil des Zürcher Opernhauses. Aktuell besteht er aus rund 25 begeisterten Sängerinnen im Alter zwischen etwa 16 und 30 Jahre. Pro Spielzeit hat er durchschnittlich zwischen 40 und 80 Auftritte. Er unterstützt dabei den Kinderchor oder tritt gemeinsam mit dem Zusatz- und dem Berufschor auf. In einigen Opern bestreitet er auch eigene Auftritte, etwa in Königskinder (Kinder des Besenbinders), Le Cid (Jeunes filles) oder Das schlaue Füchslein (Hühner). Zudem sind einzelne Mitglieder in verschiedenen Opern wie Tosca, Macbeth, Tannhäuser, L'Amore dei tre Re und Königskinder als Solistinnen zu hören.Ausserhalb des Opernhauses gehören eigene Konzerte, auswärtige Gastspiele, Messen an kirchlichen Feiertagen oder auch geschlossene Veranstaltungen von Firmen und Stiftungen ebenso zum Jahresprogramm wie Auftritte in den grossen Konzerthäusern.Die intensiven Freundschaften, die im Chor über das musikalische Engagement hinaus gepflegt werden, führen heute zu einem mühelosen aufeinander ab- und einstimmen der Sängerinnen. So entwickelt sich der Chor laufend weiter und kann nebenbei auch den Anforderungen des Spielplans gerecht werden.

Tannhäuser21 / 24 / 27 Juni / 2 / 5 / 8 / 11 Juli 2026 La Damnation de Faust10 / 14 / 17 Mai 2026 Hänsel und Gretel16 / 20 / 23 / 28 / 30 Nov. / 2 / 4 / 11 / 16 / 18 / 21 Dez. 2025 / 2 / 24 / 25 / 31 Jan. 2026 Carmen18 / 21 / 23 / 27 / 31 Jan. 2026 La forza del destino2 / 7 / 12 / 15 / 18 / 21 / 26 / 29 Nov. / 17 / 21 Dez. 2025 Fidelio3 / 6 / 10 / 14 / 16 Mai 2026 Werther14 / 19 Juni / 1 / 4 / 10 Juli 2026 Giulio Cesare in Egitto11 / 13 / 15 / 17 / 21 / 25 / 28 März 2026 Sillons de Mémoires5 / 6 / 7 Feb. 2026 Matthäus-Passion26 März 2026

Kurzgefasst

Die Matthäus-Passion erzählt von Leiden, Sterben und Auferstehung Christi – einer Geschichte, die jedes Jahr zu Ostern neu vergegenwärtigt wird. Für zwei Chöre und zwei Orchester konzipiert, erklang das monumentale Werk erstmals am Karfreitag in der Thomaskirche zu Leipzig.

Der französische Dirigent Raphaël Pichon bringt Bachs grosses Oratorium mit seinem renommierten Ensemble Pygmalion nun in Zürich zur Aufführung.

Mehr lesen Weniger anzeigen

Gut zu wissen

Ein kollektives Erlebnis von Menschlichkeit

Raphaël Pichon und Julien Prégardien im Gespräch über die Matthäus-Passion

Warum ist die Matthäus-Passion heute immer noch so bekannt und bedeutend, sogar ausserhalb der deutschsprachigen Länder und der protestantischen Kultur?

Raphaël Pichon: Weil sie ein kollektives Erlebnis von Menschlichkeit darstellt, wie es ergreifender kaum sein kann! Die Geschichte vom Leiden Christi ist auch heute noch ein Drama, ein universelles, moralisches Dilemma von grosser Beständigkeit, in dem sich jede:r – unabhängig von Spiritualität und Kultur – mit der eigenen Sterblichkeit und eigenen Suche nach Antworten konfrontiert sieht. Wir teilen alle die Menschlichkeit dieser Geschichte. Bach geht mit seinem überragenden Genie vollständig über den Rahmen der Liturgie hinaus und setzt uns mitten ins Herz des Dramas: Wir werden zu dessen Akteur:innen, wir beteiligen uns am Geschehen, wir fühlen mit, psychisch und physisch! Wir durchlaufen ein Drama, in dem es um höchst menschliche Dinge geht: Ungerechtigkeit, Verrat, Liebe, Opfer, Vergebung, Reue, Mitgefühl, Erbarmen. Bach bringt dies alles zum Ausdruck und macht so auf beispiellose Weise die Verletzlichkeit und Schwächen von uns Menschen spürbar; es ist die Beschreibung einer zerrütteten Welt, in der Liebe und Glaube die einzigen Antworten sind. In dem Bestreben Bachs, das menschliche Bewusstsein anzusprechen und zu trösten, versieht er uns mit einem regelrechten universellen und zeitlosen «Seelenpflaster».

Bach sieht – und das war neu – für die Matthäus-Passion zwei Chöre und zwei Orchester vor: Ist das eine ästhetische, musikalische, gefühlsmässige, philosophische Entscheidung?

RP: Das ist überhaupt das Markenzeichen dieses Werks, und es ermöglicht die Vereinigung all dieser Dimensionen. Erlebt man die Matthäus-Passion zum ersten Mal, ist man möglicherweise sehr verunsichert. Ich selbst war lange eingeschüchtert von ihrer Ausdehnung und ihren Proportionen – im Vergleich dagegen die direkte, theatrale Johannes-Passion, die einen am Kragen zu packen scheint! Hier ist der Umgang mit der Zeit ganz anders: Bach revolutioniert das Passionsoratorium, indem er Chor und Orchester verdoppelt und in Dialog treten lässt und damit auf die ungeheure Wirkung der Antiphonie setzt. Diese Potenzierung von Raum und Wort scheint nur ein Ziel zu haben: diese Geschichte beharrlich in die Gegenwart zurückzuführen! Das ist die grösste Besonderheit dieser Passion! Bach dehnt die Zeit aus und gewichtet sie stärker, in der hauptsächlichen Absicht, uns zu ermöglichen, das Drama voll zu verarbeiten und darüber nachzusinnen. Doch mit der Wahl von zwei Chören und zwei Orchestern schafft Bach auch zwei zeitlich verschiedene Bereiche: Im ersten geht es inhaltlich um das Evangelium und dessen Personen, und dafür sind der erste Chor und das erste Orchester zuständig; der zweite betrifft eine greifbare, wirkliche, tatsächlich lebendige Gegenwart, er wird zumeist dem zweiten Chor und dem zweiten Orchester oder der Gesamtheit der anwesenden musikalischen Kräfte anvertraut. Den verschiedenen Personen des Evangeliums werden bald Männer und Frauen aus Fleisch und Blut gegenübergestellt, die in der ersten Person sprechen und als «Verbindungsleute» auftreten, aber auch die ganze Menschheit darstellen, die in den zahlreichen Chorälen zusammengebracht wird. Sie reagieren, manchmal heftig und auf direkte Art, wenden sich im Präsens an uns und heben die Distanz auf, die zu dieser 2000-jährigen Geschichte besteht, um sie in eine ganz aktuelle Wirklichkeit zurückzubringen. Bachs Einsatz der Antiphonie als rhetorisches Mittel ermöglicht ihm, uns direkt anzusprechen und uns sogar zu anonymen Mitwirkenden zu machen, die auf das Drama reagieren, und dies alles ist schlicht einzigartig! Der beste Moment dieser zweifachen Besetzung ist das Spektakel, das sich bietet, wenn Bach mit der unerwarteten Vereinigung der beiden Chöre und Orchester – die sich nunmehr plötzlich im selben zeitlichen Rahmen befinden – eine durch ihre Dramatik und Wildheit beispiellose Musik entfaltet. Ich denke hier vor allem an das verrückte Toben der Elemente, das den Aufstand der Menschen nach der Gefangennahme von Jesus begleitet («Sind Blitze, sind Donner»); diese Passage ist noch dramatischer als die entsprechenden in Bachs Johannes-Passion. Wir haben es hier mit einem theatralischen, spirituellen und mehrdimensionalen Klangraum zu tun, und wir alle scheinen alsbald als Zuhörer:innen und Beteiligte darin eingeschlossen und eingetaucht. Ich empfinde eine gleiche menschliche Aussage beim «Isenheimer Altar» von Grünewald in Colmar.

In der Musik ist ja der Faktor Zeit von grosser Bedeutung, während man in der Malerei nur eine «Momentaufnahme» vor sich hat und nichts anderes. Der zeitliche Charakter der Musik ermöglicht ihr, immer wieder neue Aspekte zu zeigen. Könnte es sein, dass sie einen dadurch vielleicht stärker bewegt und prägt als die Malerei?

RP: Die ganz grossen Maler:innen bieten uns doch auch unbegrenzt viele Arten des Erlebens, es gibt zahlreiche Möglichkeiten der Interpretation, Wahrnehmung, Ergriffenheit, Empfindung, die diese «Momentaufnahmen» unentwegt weiterzuentwickeln scheinen. Gewiss gibt es bei Bach die zeitlich unterschiedliche Behandlung der beiden Chöre (darüber haben wir gerade gesprochen), aber es gibt eben auch diese aussergewöhnliche Fähigkeit, verschiedene zeitliche Erscheinungen in ein- und demselben Satz spürbar zu machen! Nehmen wir als konkretes Beispiel das «Fresko» (das so einmalig ist wie der «Isenheimer Altar»), das Bach uns mit dem Einleitungschor der Matthäus-Passion zu Gehör bringt («Kommt, ihr Töchter»). Er ist weit entfernt von einer fulminanten oder pathetischen «Ouvertüre» aus einem Guss, aber Bach treibt uns sofort ins Zentrum eines bewegten Gemäldes. Der Bericht vom Leiden Christi versetzt die ganze Menschheit in diese ewige Notlage: in die Angst vor dem eigenen Tod und die Hoffnung auf einen Heiland. Dann beginnt sogleich ein schwindelerregender Aufstieg nach Jerusalem, dem Ort des Dramas, ein beschwerlicher Aufstieg mit etlichen Unebenheiten und von nicht geringem Höhenunterschied. Erst sind die beiden Orchester in einem Kontrapunkt von ergreifender Solidarität vereint, dann scheinen sich mit aufsteigenden, mühsam erlangten Motiven die verschiedenen Stimmen nacheinander gegenseitig Beistand zu leisten, wie um die ganze Gemeinschaft vorwärts zu bewegen. Mitten in der Nacht, ohne den grosszügigen Mond, der den Fortgang hätte erhellen können, und mitten in diesem langen, schwierigen Fortschreiten, scheint Wolfsgeheul diese Momente zu begleiten, in denen man keuchend versucht, wieder zu Atem zu kommen. Regelmässig steigen die ersten Violinen von ihrem «Ausguck» aus in die Höhe, als ob sie diesen «Bräutigam» immer klarer erkennen würden, diese sonderbare Nachricht von einem Retter, einem Opfer, das kommen soll und die Menschheit erschüttern wird. Diese Nachricht wird von den Stimmen der Töchter Zions des ersten Chors verkündet, und die Antwort kommt von der höchst erstaunten, vor Angst und Ungeduld gleichermassen bebenden, anonymen Menge des zweiten Chors. Alle drängen vor, wollen diesen Menschen sehen, spüren und berühren, dieses Opferlamm, alle wollen mit der sich bewegenden Masse gehen und ihr eigenes Schicksal an dieses kommende Opfer knüpfen. Die letzte Tafel dieses musikalischen «Flügelaltars» öffnet sich mit dem ungewöhnlichen Erscheinen des lutherischen Agnus-Dei-Chorals, der von den Sopranstimmen (soprano in ripieno) gesungen wird und vom Sonnenlicht erfüllt ist, das ihm die Tonart G-Dur verleiht, und der von höchster Höhe zu kommen scheint, wie von einer himmlischen Stadt. Dieser Choral ist eine zusätzliche, unerlässliche Stütze für die orientierungslose Menschheit bei der Bewältigung der letzten Hänge, bevor endlich der eigentliche Ort des Geschehens erreicht wird. Und er erweitert den Klangraum um ein Vielfaches, wodurch er die wachsende Menge beflügelt: Man stelle sich die Wirkung des ersten Einsatzes dieses damals allgemein bekannten Chorals auf die Zuhörer:innen in der Leipziger Thomaskirche vor, zumal er wahrscheinlich von einer einzelnen Empore im hinteren Teil der Kirche aus gesungen wurde! Dieser ungewöhnliche musikalische «Flügelaltar» schliesst auf einem überraschenden E-Dur-Akkord, der vom Blut rot gefärbt, aber auch ein Versprechen der Auferstehung ist; und nachdem die Zuhörer dazu aufgerufen wurden, «sich zu öffnen», kann der eigentliche Bericht beginnen. Das ist fast wie ein 3D-Film, nur ohne Bilder …

Julien Prégardien: Hätte man wirkliche Bilder, wäre das zu viel; wir brauchen sie nicht. Die Musik und die Geschichte sind schon stark und grausam genug. Es sei an den Film über das Leiden Christi von Mel Gibson erinnert. Dieser Film hat ungewöhnliche Bilder, sie sind erschütternd in ihrem unglaublichen Realismus und waren für mich sehr hilfreich, als es darum ging, meine Partie des Evangelisten realistisch einzufärben. Doch in einem Konzert wirkliche Bilder zu haben, wäre sicher zu viel. Man muss den Zuhörer:innen die Subjektivität lassen. Sie sollen frei über die Vorstellungen entscheiden, welche die Worte und die Musik in ihnen wecken.

RP: Genau! Und durch die inneren Bilder der einzelnen Zuhörer:innen wird dieses Klangtheater noch viel wirkungsvoller! Die Macht der Töne hinter den Worten ist unendlich groß, wenn es darum geht, etwas heraufzubeschwören. Die Passion ist alles andere als eine Oper, auch wenn Bach viele ihrer Mittel nutzt. Ihre Stärke besteht in dem, was sie nicht zeigt, während andere Passionen aus der Zeit wie Händels und Telemanns berühmte Vertonungen des Textes von Barthold Heinrich Brockes ein viel drastischeres, realistischeres Theater sind, das auch nicht auf Effekthascherei verzichtet und in den entsprechenden Regionen toleriert oder sogar verlangt wurde. Bach, dessen Arbeitgeber keine opernhaften Übertreibungen duldeten, überlistete die Behörden, indem er uns als geborener Dramatiker mitten in die Geschichte eintauchen lässt. Eine Passion der Namenlosen, die in unserem Namen zu allen sprechen.

Was kann man in der Musik finden, das nicht schon im literarischen Text steht, den Picander schuf?

RP: Sehr viel! Es lässt sich sagen, dass man unentwegt und während der ganzen Erzählung hinter den Personen die «Stimme» von Bach hört. Es ist die «Stimme» seiner Entscheidungen, seiner musikalischen Konstruktionen, die eines ungewöhnlichen dramaturgischen Genies, das im Rhythmus, in Brüchen und Pausen zum Ausdruck kommt, aber auch in einer so überwältigenden wie symbolhaften Palette instrumentaler Farben; es ist eine «Stimme», die sich an uns alle richtet, und zwar in ebenso direkter wie demutsvoller Art! Vielleicht auch von Bedeutung: Bach wendet eine fast kinematografische Methode an, um die Geschichte zu erzählen, die sich jenseits der Worte abspielt, um uns Schauplätze und Szenenwechsel spüren zu lassen, deren Geografie, Unebenheiten, die Geräusche, Düfte, das Licht, die Tages- und Nachtzeiten. Ein Aufgebot an Mitteln, das einen überflutet und viel mächtiger ist als alles, was die neuen Technologien uns heute ermöglichen!

JP: Absolut, und mir kommt es vor, als gäbe es eine fast physische Präsenz von Bach in dieser Partitur. Ein treffendes Beispiel, das mich immer ergriffen hat, ist die Szene nach der Arie von Joseph von Arimathia «Mache dich, mein Herze, rein», also das Rezitativ «Und Joseph nahm seinen Leib und wickelte ihn in ein rein Leinwand». Die unendliche Zartheit dieser Szene und die überragende Art, wie Bach die Person des Joseph von Arimathia darstellt, lässt uns glauben, dass er gerne selbst an dessen Platz gewesen wäre und seine Spuren hinterlassen hätte. In dieser Beschreibung kümmert sich Joseph von Arimathia so um die Leiche, wie Bach sich um die Geschichte dieses Todes kümmert. Die «Stimme» des Komponisten scheint durch den Evangelisten auf einmal lebendig zu werden.

RP: Ja, und ich glaube, wir haben beide eine ausgeprägte Vorliebe für jene Passagen des Evangelisten, in denen Bach, ohne Bedenken und mit grosser melodischer und harmonischer Geisteskraft, es zulässt, dass man nach einem «schönen Gesang» strebt. Einem «schönen Gesang» im nobelsten und auch zutiefst menschlichen Sinn, sehr einfach und fein, wie wenn eine Mutter ihrem Kind leise etwas ins Ohr singt – und das sind dann eben die Momente, in denen die Stimme des Evangelisten gegen die Grausamkeit dieser Geschichte angeht und zu dem Balsam, diesem «Pflaster» wird, das wir so nötig haben.

Gibt es in diesem Werk eine oder mehrere Passagen, die Ihnen noch unverständlich sind?

RP: Bach schliesst niemanden aus, der seine Musik hören und auch verstehen möchte, vor allem dadurch, dass die Handlung seiner «grossen Passion» ausgesprochen klar organisiert ist. Die Struktur des Berichts vom Leiden Christi nach Matthäus hat John Eliot Gardiner in seinem spannenden Buch über Bach (Musik für die Himmelsburg, verschiedene Verlage) beleuchtet, und er folgte damit einer Anregung des Musikschriftstellers Johann Jacob Bendeler aus dem Jahr 1693: Sie scheint einem Aufbau zu entsprechen, der aus sechs Haupthandlungen besteht, und damit rückt diese Passion in die Nähe einer französischen Tragédie lyrique in einem Prolog und fünf Akten. Es war mir ein Anliegen, diese Struktur aufzuzeigen, denn ich glaube, dass dies für das Verständnis und den Ablauf der Geschichte hilfreich ist: So lassen sich Schauplätze, Konflikte, Szenenwechsel, Protagonisten und Schlüsselmomente direkter erfahren. Wenn wir uns jedoch richtig tief in die Partitur hineinversenken, begegnen wir einem einzigartigen Labyrinth von Symbolen, verschlüsselten Botschaften und einem Kontrapunkt von musikalischem und theologischem Feinsinn, und dies alles macht dieses Werk so unendlich reich, dass ein ganzes Leben nicht reichen würde, um alle seine Schätze zu heben!