Metamorphosen

23. März 2026

Metamorphosen
14 neue Performances von Studierenden der ZHdK

Im Rahmen des neuen Opernhaus-Festivals «Zürich Barock» präsentieren Studierende der Komposition, Musik, Theater und Transdisziplinarität der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) insgesamt 14 neue Performances, inspiriert von Ovids berühmter Sammlung antiker Mythen: den «Metamorphosen». Ovids Erzählungen von Verwandlung – von Menschen, Götter:innen und Wesen, die aus Liebe, Verlangen, Angst oder Strafe ihre Gestalt wechseln – gehören seit zweitausend Jahren zu den fruchtbarsten Inspirationsquellen der Kunst. Bis heute berühren diese Geschichten zentrale Fragen moderner Identität: Wer sind wir? Wie verändern wir uns? Was zwingt uns zur Verwandlung? Diese Fragen werden in einem frei begehbaren Performance-Parcours durch die Ausstellungsräume des Kunsthauses Zürich erfahrbar gemacht. So entstehen neue Werke und künstlerische Positionen zwischen Alter Musik, Elektronik, Tanz, Video und Theater – ein polyphones Klang- und Bewegungslabyrinth, in dem sich Klänge, Körper, Bilder und Räume kontinuierlich transformieren. Die Besucher:innen bewegen sich frei durch diese Landschaft der Metamorphosen – und werden selbst Teil eines offenen künstlerischen Prozesses zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

In Kooperation mit der Zürcher Hochschule der Künste und dem Kunsthaus Zürich

Wann & Wo?
23. März 2026, ab 18 Uhr, Kunsthaus Zürich, Moser Bau
Eintritt: CHF 10


Gut zu wissen

Performance-Parcours «Metamorphosen»

Im Kunsthaus Zürich präsentieren Studierende der Zürcher Hochschule der Künste während Zürich Barock einen Performance-Parcours, der vom Thema «Metamorphosen» inspiriert ist. Wir stellen vorab vier Projekte vor.

Ewigkeit für zehn Minuten

In Zeiten, in denen wir uns zu kriegerischen Realitäten verhalten müssen, möchte ich eine pazifistische Haltung einnehmen – nicht durch politische Statements, sondern indirekt und subtil durch radikale Entschleunigung. Die Vordringlichkeit politischer Krisen führt heute etwa dazu, dass das Thema Klimawandel wieder an Aufmerksamkeit verliert. In meiner Installation richte ich die Aufmerksamkeit deshalb auf die Natur und einen sehr langsamen Prozess: die Verwandlung, die eine Blume durchläuft. Damit knüpfe ich an das Thema der Metamorphose an und frage: Was wäre, wenn wir dem Wachsenden dieselbe Aufmerksamkeit schenkten wie dem Zerstörenden? Da unsere Arbeiten im Kunsthaus zu erleben sind, habe ich mich am Genre des Stilllebens orientiert, das im Barock seine Blütezeit hatte und oft die Vergänglichkeit des Lebens zum Thema hat. Wie barocke Vanitas-Darstellungen zeigt «Knospenexplosion» die Schönheit in der Vergänglichkeit – der vollständige Lebenszyklus von der Keimung über die Blüte bis zur Verstreuung der Samen wird zum monumentalen Ereignis. Das Flüchtige wird ewig, zumindest für zehn Minuten. Für dieses Projekt arbeite ich mit Dan Shachar zusammen, der die Metamorphose eines Löwenzahns illustriert und animiert. Aus der Ameisenperspektive wird der Löwenzahn monumental – eine grosse Wandprojektion in einem ansonsten schwarzen Raum schafft mit räumlichem Sound eine immersive Erfahrung, in der Besucher:innen jederzeit eintreten können. Die 10-minütige Installation läuft als endlose Schleife, ein Prozess ohne Anfang und Ende, was der konstanten Metamorphose der Pflanze entspricht. Das Besondere dabei: Während der Film dreimal läuft, erklingt die Musik viermal. Dadurch überlagern sich Bild und Musik kontinuierlich neu, und jeder Besuch wird zur einzigartigen Erfahrung. Für die musikalische Gestaltung arbeite ich an der Instrumentation für Streichsextett, das live aufgenommen wird. Denn die Seele liegt im Moment des Spielens selbst – in der menschlichen Interpretation, die keine Software reproduzieren kann, egal wie präzise programmiert.

Vlado Repic
Studiengang: Komposition für Film, Theater und Medien
 

Normen hinterfragen

Für unser Projekt «Chrysalis» arbeite ich mit den Choreografinnen Amanda Romero und Liliana Torres Esquivias zusammen. Besonders ist dabei die kollektive Zusammenarbeit, in der wir in einem hierarchiefreien Austausch zwischen den klassischen Rollen der Künstlerischen Leitung und der Performenden fluide wechseln können. Dabei nehmen wir sowohl das Auge von draußen als auch das Auge von drinnen ein. Ausgangspunkt im Erarbeitungsprozess sind unsere Körper und unser körperliches Empfinden. Diese Suche begann mit einer Frage: Woher spricht der Körper? Aus dem Atem, aus der Stimme, aus der Bewegung? Welche Laute schwingen in uns? Welche Worte? Wir hörten genau hin, sind Empfindungen und Gedanken gefolgt und verwandelten diese in Bewegung. In den Proben erlebten wir, wie sehr unsere Körper und Stimmen durch patriarchale Machtstrukturen geprägt, eingeschränkt und reguliert sind, und das über Generationen hinweg. Wir möchten diese Erfahrung in die Räume eines Museums bringen und den sonst stummen Gemälden eine Stimme geben. In solchen Räumen begegnen uns viele unausgesprochene Normen, die einem oft fremd sind. Gerade dort interessiert es uns, in einen Dialog mit dieser Situation zu treten und sie zu hinterfragen. Wir möchten die Gemälde mit in unseren Prozess aufnehmen und finden es spannend, nach dem Verborgenen, nach dem, was nicht gesehen wird, zu suchen. Dies interessierte uns auch in der Auseinandersetzung mit Ovids «Metamorphosen». Wir bemerkten, dass den männlichen Rollen häufig ein viel breiteres Auftrittsspektrum gewährt wird. Deshalb sahen wir hier die Wichtigkeit, das Spektrum um andere Geschichten und Perspektiven marginalisierter Körper zu erweitern.

Leonie Fritsch
Studiengang: Transdisziplinarität in den Künsten
 

Kreislauf des Lebens

Der Studiengang Komposition für Film, Theater und Medien gefällt mir, weil wir für unterschiedlichste Projekte von anderen Studierenden arbeiten können, die in irgendeiner Form Musik benötigen. Für das «Metamorphosen»-Projekt gehe ich aber von einer konkreten Ausstellungsituation im Kunsthaus aus: In dem Raum, den wir bespielen werden, sind Augusto Giacomettis Gemälde «Phaëton im Zeichen des Skorpions» und direkt daneben eine Orpheus-Statue von Auguste Rodin zu sehen. Mich interessiert es, diese Figuren, die beide in Ovids «Metamorphosen» vorkommen, zusammenzudenken. Phaëton ist der Sohn des Helios und will für einen Tag den Sonnenwagen lenken. Er ist aber zu übermütig und verliert die Kontrolle über den Wagen. Schliesslich bremst ihn Zeus durch einen Blitz aus, woraufhin Phaëton in den Tod stürzt. Und in die Welt der Toten steigt bekanntlich auch Orpheus hinab, um seine Geliebte Eurydike zu suchen. Für die Performance, in der wir dieses Übergehen der beiden Figuren in eine andere Welt thematisieren, habe ich den Tänzer Tung-Chun Hsu aus Taipeh nach Zürich eingeladen. Ich hatte mit ihm bereits in Japan im Rahmen eines Austausches sehr gut zusammengearbeitet. Er hat eine klassische Ballettausbildung, arbeitet aber auch mit Kreisbewegungen, die aus dem chinesischen Tanz kommen, was mich für diese Performance über den Kreislauf des Lebens und des Himmels interessiert. Auch meine Komposition für Cello, Klarinette und Flöte wird mit sich wiederholenden Kreisbewegungen arbeiten. Bei der letzten Zusammenarbeit mit Tung-Chun Hsu habe ich fast ausschließlich in der Umgebung aufgenommene Klänge verwendet und elektronisch komponiert, wobei wir diese Performance innerhalb von zwei Wochen gemeinsam entwickeln konnten. Jetzt geht es darum, meine Partitur und seine Choreografie über eine grosse Distanz hinweg vorzubereiten. Im Kunsthaus muss dann alles in einer Woche zusammenfinden. Das ist eine spannende Herausforderung.

Yasmin Edelmann
Studiengang: Komposition für Film, Theater und Medien
 

Dinge humanisieren

Ich bin Saxophonist und habe in Slowenien, wo ich herkomme, eine sehr klassische Ausbildung erhalten. An der Zürcher Hochschule der Künste sind die Möglichkeiten viel breiter. In den Minor-Fächern hat man hier die Möglichkeit, sich parallel zum Instrument in verschiedenen Schwerpunkten zu vertiefen. Ich habe einen Minor in «Immersive Arts» belegt und bin seither mit diesem Labor, das sich an der Schnittstelle zwischen Kunst und digitaler Technologie bewegt, verbunden. Neu belege ich einen Minor, der sich mit Management- und Business-Fragen im Kunstbetrieb auseinandersetzt. Der Metamorphosen-Parcours im Kunsthaus bietet für mich die perfekte Gelegenheit, die Kenntnisse, die ich mir erarbeitet habe, in einem Projekt zu vereinen. Die Welt der antiken Sagen hat mich zu einer Beschäftigung mit dem Prometheus-Mythos angeregt, der bei Ovid nur angedeutet wird. Es heisst, dass Prometheus den menschlichen Körper formte, während Athene diesem das Leben einhauchte. In dieser Erzählung sehe ich eine interessante Parallele zu unserer Zeit, in der wir dabei sind, digitale Dinge zu humanisieren und den damit verbundenen ethischen Fragen. Also habe ich entschieden, diese Idee in ein Projekt zu verwandeln. Dabei war es mir wichtig, ein Team von Menschen mit verschiedenen Expertisen zusammenzubringen, nämlich die Tänzerin Emma Bas González, die Komponistin Linxi Chen, Stavros Balis aus dem Bereich Theater sowie Kishore Krishnakumar (Industrial Design) und Tingxuan He (Visual Communication). Im Kunsthaus werden wir mit 360°-Projektionen arbeiten und einen digitalen Avatar erschaffen, der sich über die Dauer der Performance hinweg zu einem Menschen entwickeln wird. Die Tänzerin ist dabei quasi in der Rolle der Athena: Ihre Bewegungen werden mit Motion-Capture-Technologie erfasst und verleihen dem Avatar seine menschlichen Züge. Die Komponistin und ich als Saxophonist werden diese Transformation mit musikalischen Mitteln erzählen, wobei wir uns im Rahmen des Barockfestivals dafür entschieden haben, mit ästhetischen und stilistischen Mitteln dieser historischen Epoche zu spielen.

Tadej Pance
Studiengang: Saxophon


23 Mär 2026, ab 18 Uhr 

Kunsthaus Zürich, Moser Bau