Kinderopernorchester

Für Schulen und Familien (8+)

Von 25. Mai 2026 bis 21. Juni 2026

Das neu gegründete Kinderopernorchester wird in enger Zusammenarbeit mit allen 36 Musikschulen des Kantons Zürich und des Orchesters des Opernhauses realisiert. Begabte Kinder zwischen 7 und 14 Jahren aus allen Regionen des Kantons erhalten hier die Möglichkeit, ihre musikalische Praxis weiterzuentwickeln, das gemeinschaftliche Musizieren zu erleben, bekannte Werke des Opernrepertoires zu entdecken und auf der international renommierten Bühne des Opernhauses aufzutreten.


Musikalische Leitung:
Gianandrea Noseda

Gianandrea Noseda

Gianandrea Noseda ist seit der Spielzeit 2021/22 Generalmusikdirektor des Opernhauses Zürich. Zudem ist er Musikdirektor des National Symphony Orchestra und Erster Gastdirigent des London Symphony Orchestra. 2019 wurde er Musikdirektor des neu gegründeten Tsinandali Festivals und des georgischen Pan-Caucasian Youth Orchestra. 2007 bis 2018 amtierte Noseda als Generalmusikdirektor des Teatro Regio di Torino und hat das Opernhaus während dieser Zeit künstlerisch neu ausgerichtet. Noseda hat die wichtigsten internationalen Orchester (Berliner Philharmoniker, Chicago Symphony, Concertgebouw Orchestra, Wiener Philharmoniker) sowie an den bedeutendsten Opernhäusern (La Scala, Metropolitan Opera, Royal Opera House) und Festivals (BBC Proms, Edinburgh, Salzburg und Verbier) dirigiert. Er hat leitende Funktionen u. a. beim BBC Philharmonic (Chefdirigent), Israel Philharmonic Orchestra (Erster Gastdirigent), Mariinsky Theater (Erster Gastdirigent) und beim Stresa Festival (Künstlerischer Leiter) innegehabt. Seine Diskografie umfasst mehr als 80 CDs – einen besonderen Platz nimmt das Projekt «Musica Italiana» mit vernachlässigtem italienischem Repertoire des 20. Jahrhunderts ein. Der in Mailand geborene Noseda ist Commendatore al Merito della Repubblica Italiana und erhielt 2024 den Verdienstorden der Stadt Mailand. 2015 wurde er als «Musical America’s Conductor of the Year» geehrt, bei den International Opera Awards 2016 zum «Dirigenten des Jahres» ernannt und erhielt 2023 den Puccini-Preis. Im selben Jahr zeichneten die Oper!Awards Noseda als «Besten Dirigenten» aus, wobei insbesondere seine Interpretationen der ersten beiden «Ring»-Opern am Opernhaus Zürich hervorgehoben wurden.

Un ballo in maschera22 / 28 / 31 Mai / 7 / 13 Juni / 26 / 27 / 29 / 30 Aug. 2026 La forza del destino2 / 7 / 12 / 15 / 18 / 21 / 26 / 29 Nov. / 17 / 21 Dez. 2025 Macbeth8 / 11 / 14 / 19 / 22 / 30 Nov. 2025 Ehnes & Noseda23 Nov. 2025 Open-Air-Konzert28 Juni 2026 / 4 Juli 2027 Europa-Tournee 2026 «Mühlemann & Noseda»21 / 28 März / 1 Apr. 2026 Europa-Tournee 2026 «Messa da Requiem»22 / 23 / 25 / 26 / 29 / 31 März 2026 Rachmaninov – Die drei Opern1 / 4 / 8 / 15 / 18 / 21 / 28 Nov. 2026 Das Rheingold29 Nov. / 4 / 12 / 17 Dez. 2026 Gabetta & Noseda7 Nov. 2026 Die Walküre24 / 31 Jan. / 3 / 6 Feb. 2027 Samson et Dalila13 / 17 / 20 / 24 / 27 / 30 Juni / 2 / 9 Juli 2027 Kinderopernorcherster23 / 27 Mai / 7 / 19 / 20 Juni 2027 Kinderopernorchester25 Mai / 1 / 13 / 18 / 21 Juni 2026
Choreinstudierung:
Alice Lapasin Zorzit

Alice Lapasin Zorzit

Alice Lapasin Zorzit absolvierte ihr Klavierstudium am Conservatorio di Musica Luigi Boccherini in Lucca und setzte ihre Ausbildung an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz fort, wo sie 2018 ihren Bachelor in Chorleitung mit Auszeichnung abschloss. Während dieser Zeit sammelte sie ihre ersten Erfahrungen in der Opernwelt als Chorrepetitorin am Landestheater Linz. 2017 nahm sie an der Riccardo Muti Italian Opera Academy teil und war während der Spielzeit 2018/19 Korrepetitorin an der Orchesterakademie des Opernhaus Zürich. In der Spielzeit 2019/20 folgte ein Engagement als stellvertretende Kinderchorleiterin und Gastpianistin an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin. Anschliessend führte sie ihre Tätigkeit an das Staatstheater Darmstadt, wo sie in den Jahren 2020–2022 als stellvertretende Chordirektorin und Kinderchorleiterin wirkte. Parallel zu ihrer beruflichen Entwicklung setzte sie ihre akademische Ausbildung fort: 2021 schloss sie an der Kunstuniversität Graz ihren Master in Dirigieren und Musiktheaterkorrepetition ab, 2022 folgte ein berufsbegleitender Master in Kulturmanagement (EMAA) an der Universität Zürich. Als Kulturmanagerin war sie Stipendiatin der Deutschen Bank Stiftung (AMH) und gründete 2024 die Künstleragentur ArteMIS. Von 2023 bis 2025 war Alice Lapasin Zorzit Chordirektorin mit Dirigierverpflichtung am Landestheater Coburg und wirkte im Sommer 2025 als Chorassistentin bei den Bayreuther Festspielen mit. Seit Januar 2026 ist sie stellvertretende Chordirektorin am Opernhaus Zürich.

Werther14 / 19 Juni / 1 / 4 / 10 Juli 2026 Così fan tutte3 / 7 / 9 / 12 Juli 2026 Giulio Cesare in Egitto11 / 13 / 15 / 17 / 21 / 25 / 28 März 2026 Scylla et Glaucus27 / 29 / 31 März / 2 / 6 / 30 Apr. / 2 Mai 2026 La rondine24 / 27 Sept. / 1 / 10 / 15 Okt. 2026 Alice im Wunderland8 / 15 / 19 / 21 / 26 / 28 Nov. / 6 Dez. 2026 / 2 / 7 / 8 / 10 / 17 Jan. 2027 Elektra22 / 26 Nov. / 2 / 5 / 10 / 13 / 16 Dez. 2026 La traviata20 / 23 / 29 Dez. 2026 / 1 / 3 / 6 / 9 / 12 / 15 / 19 / 23 Jan. 2027 Die lustige Witwe27 / 31 Dez. 2026 / 3 / 7 / 10 / 13 Jan. 2027 Roméo et Juliette12 / 19 / 21 Feb. / 2 / 5 März 2027 Tosca11 / 14 / 17 / 21 / 24 Apr. / 13 / 17 Mai 2027 Le nozze di Figaro2 / 6 / 8 / 15 / 19 Mai 2027 Don Pasquale23 / 27 / 30 Mai / 4 / 6 / 11 Juni 2027 La bohème16 / 18 / 23 Juni / 4 / 7 / 10 Juli 2027 Herr der Diebe27 Feb. / 2 / 4 / 6 / 7 / 9 / 10 / 11 März 2027 Kinderopernorchester25 Mai / 1 / 13 / 18 / 21 Juni 2026

Besetzung


Frasquita / Gretel Sylwia Salamońska-Bączyk


Carmen / Hänsel Cashlin Oostindië


Mercedes / Sandmann Thalia Cook-Hansen

Sylwia Salamońska-Bączyk

Sylwia Salamońska-Bączyk, Sopran, studierte bei Wojciech Maciejowski in Posen. Ausserdem besuchte sie Meisterkurse u.a. bei Olga Pasiecznik, Izabela Kłosińska, Mariusz Kwiecień, Hedwig Fassbender und Edith Wiens sowie mit den Vocalcoaches und Pianist:innen Sofia Muñoz, Maciej Pikulski, Katelan Tran Terrell und Michał Biel. Während ihres Studiums sang sie Rollen wie Lauretta («Gianni Schicchi») und Zosia (Stanisław Moniuszkos «Die Geister»). In der Spielzeit 2023/24 war sie Teil des Opera Academy Young Talent Development Programme an der Nationaloper in Warschau. Dort debütierte sie als Erste Begleiterin Dircés in Cherubinis «Medea» und sang Papagena in Mozarts «Zauberflöte». Seit der Spielzeit 2024/25 ist sie Mitglied des Internationalen Opernstudios am Opernhaus Zürich. Hier war sie u. a. als Nick in Penderbeynes «Wir pfeifen auf den Gurkenkönig», in Doves «In 80 Tagen um die Welt», als Najade («Ariadne auf Naxos») und als Knabe in Mendelssohns «Elias» zu erleben. In dieser Spielzeit singt sie u. a. Taumännchen («Hänsel und Gretel») sowie Hirt («Tannhäuser»).

Hänsel und Gretel16 / 20 / 23 / 28 / 30 Nov. / 2 / 4 / 11 / 16 / 18 / 21 Dez. 2025 / 2 / 24 / 25 / 31 Jan. 2026 Der Rosenkavalier26 Sept. / 1 / 5 / 14 / 17 / 21 / 26 Okt. 2025 La rondine24 / 27 Sept. / 1 / 10 / 15 Okt. 2026 Kinderopernorchester25 Mai / 1 / 13 / 18 / 21 Juni 2026

Cashlin Oostindië

Cashlin Oostindië ist eine niederländische Mezzosopranistin. Sie erhielt ihre Ausbildung am Amsterdamer Konservatorium und in Athen sowie privat bei Lauren Athey-Janka und Eva-Maria Westbroek. Während ihres Studiums war sie Mitglied der Young Opera Noord Holland, sang Marcellina («Le nozze di Figaro»), war Teil des Chors in Poulencs «Dialogues des Carmélites» und Solistin beim Lefkas Music Week Festival in Griechenland. Im Konzert sang sie die Alt-Partien in Bruckners «Requiem» und Rossinis «Petite Messe solennelle». Mit der Pianistin Florence van der Does gibt sie in den Niederlanden regelmässig Liederabende. Seit der Spielzeit 2025/26 ist sie Mitglied des Internationalen Opernstudios am Opernhaus Zürich.

Rigoletto20 / 23 / 27 Dez. 2025 / 1 / 4 Jan. 2026 Der Rosenkavalier26 Sept. / 1 / 5 / 14 / 17 / 21 / 26 Okt. 2025 La rondine24 / 27 Sept. / 1 / 10 / 15 Okt. 2026 Die Walküre24 / 31 Jan. / 3 / 6 Feb. 2027 Angels in America7 / 9 / 19 / 21 / 23 Mai 2027 Gianni Schicchi2 / 6 / 8 / 10 / 13 Mai 2026 Elektra22 / 26 Nov. / 2 / 5 / 10 / 13 / 16 Dez. 2026 Kinderopernorchester25 Mai / 1 / 13 / 18 / 21 Juni 2026

Thalia Cook-Hansen

Thalia Cook-Hansen, Sopran, stammt aus den USA. Nach Gesangsstudien in den USA und Kanada absolvierte sie ihr Masterstudium an der Dutch National Opera Academy. Ergänzend dazu besuchte sie Meisterkurse bei u. a. Elliot Madore, Floris Visser und Lynne Dawson. In Amsterdam war sie u. a. als Nerina in Haydns «La fedeltà premiata», Fanny in Rossinis «La cambiale di matrimonio», Bastienne in Mozarts «Bastien et Bastienne» sowie als Adele in der «Fledermaus» zu erleben. Sie sang Barbarina («Le nozze di Figaro») am Ständetheater in Prag sowie die Erste Dame («Die Zauberflöte») und Mademoiselle Silberklang («Der Schauspieldirektor») in Toronto. Zu ihrem Repertoire zählen zudem Rollen wie Bubikopf in Viktor Ullmanns «Der Kaiser von Atlantis», Sängerin Nr. 1 in Conrad Susas «Transformations», Amore in Monteverdis «Il ritorno d’Ulisse in patria» und die Titelpartie in Donizettis «Lucia di Lammermoor». Seit der Spielzeit 2025/26 ist sie Mitglied des Internationalen Opernstudios am Opernhaus Zürich.

Werther14 / 19 Juni / 1 / 4 / 10 Juli 2026 Der Rosenkavalier26 Sept. / 1 / 5 / 14 / 17 / 21 / 26 Okt. 2025 Macbeth8 / 11 / 14 / 19 / 22 / 30 Nov. 2025 Gianni Schicchi2 / 6 / 8 / 10 / 13 Mai 2026 La rondine24 / 27 Sept. / 1 / 10 / 15 Okt. 2026 Tannhäuser26 Sept. / 4 / 9 / 13 Okt. 2026 Alice im Wunderland19 / 21 Nov. / 6 Dez. 2026 / 2 / 7 / 17 Jan. 2027 Die lustige Witwe27 / 31 Dez. 2026 / 3 / 7 / 10 / 13 Jan. 2027 Angels in America7 / 9 / 19 / 21 / 23 Mai 2027 c-Moll-Messe17 März 2027 Kinderopernorchester25 Mai / 1 / 13 / 18 / 21 Juni 2026
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Kinderopernorchester der Oper Zürich
Kinderchor der Oper Zürich

Kinderopernorchester der Oper Zürich

Besetzung

Kinderopernorcherster23 / 27 Mai / 7 / 19 / 20 Juni 2027 Kinderopernorchester25 Mai / 1 / 13 / 18 / 21 Juni 2026

Kinderchor der Oper Zürich

Besetzung

Der Rosenkavalier21 / 26 Sept. / 1 / 5 / 14 / 17 / 21 / 26 Okt. 2025 La Damnation de Faust10 / 14 / 17 Mai 2026 Hänsel und Gretel16 / 20 / 23 / 28 / 30 Nov. / 2 / 4 / 11 / 16 / 18 / 21 Dez. 2025 / 2 / 24 / 25 / 31 Jan. 2026 Carmen18 / 21 / 23 / 27 / 31 Jan. 2026 La forza del destino2 / 7 / 12 / 15 / 18 / 21 / 26 / 29 Nov. / 17 / 21 Dez. 2025 Matthäus-Passion26 März 2026 Kinderopernorchester25 Mai / 1 / 13 / 18 / 21 Juni 2026

Kurzgefasst

Angeleitet von Mitgliedern des Orchesters und erfahrenen Musikschullehrpersonen erarbeiten die über 90 Kinder Ausschnitte aus den Opern «Carmen» und «Hänsel und Gretel» – Opernliteratur, die für gewöhnlich nur von professionellen Orchestern gespielt wird. Die Kinder arbeiten mit Künstler:innen zusammen und erleben den Orchesterbetrieb im Opernhaus Zürich von innen.In einem Zeitraum von zehn Monaten erweitern sie ihre musikalischen Fertigkeiten und erfahren, was es bedeutet, sich in einen Orchesterklang einzufinden und Teil eines grossen Ganzen zu werden. Sie lernen ihre Verantwortung darin wahrzunehmen, um gemeinsam Musik entstehen zu lassen und diese schliesslich unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Gianandrea Noseda und Ann-Katrin Stöcker zusammen mit Solist:innen und dem Kinderchor der Oper Zürich aufzuführen.

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Bilder aus den Proben


Gut zu wissen

«Wow-Momente<br>sind wichtig»

Im Gespräch mit der Dirigentin Ann-Katrin Stöcker

Ann-Katrin, du hast das neugegründete Kinderopernorchester von Anfang an begleitet und warst an der Programmplanung beteiligt. Ihr probt seit September 2025 – jetzt, Ende Mai 2026, ist das Ergebnis zum ersten Mal zu hören. Wie würdest du diesen Weg beschreiben?

Da das Orchester ganz neu gegründet wurde, hatten wir keinerlei Erfahrungswerte. Entsprechend haben wir das Programm zunächst «ins Blaue hinein» geplant. Wir haben uns überlegt, was die Kinder im Opernbereich interessieren könnte und was technisch im Alter von 7–14 umsetzbar ist, aber natürlich wussten wir nicht, welche Kinder sich bewerben und welche Fähigkeiten sie mitbringen werden. Wichtig war uns, Opernausschnitte zu wählen, die die Kinder auch auf der Bühne erleben können. Sie spielen also das gleiche Repertoire, das auch am Opernhaus erklingt. Die Side-by-Side-Proben – bei denen die Kinder gemeinsam mit dem Orchester musizieren – haben vor allem bei «Carmen» sehr viel Motivation gebracht. Vor der ersten Probe war ich ehrlich gesagt ziemlich nervös: Ich wusste nicht, was passiert, wenn ich den Taktstock hebe: Können die Kinder überhaupt nach Dirigat spielen? Die meisten hatten ja noch keine Orchestererfahrung. Man ist zunächst sehr mit dem eigenen Instrument beschäftigt, muss gleichzeitig lernen, auf andere zu hören, sich zu orientieren und die Dirigentin im Blick zu behalten. Doch schon nach wenigen Takten war klar, dass es funktioniert und die Kinder sehr intuitiv auf die Musik und auch mein Dirigat reagieren. Wenn sie die Musik im Ohr haben, ist das die halbe Miete. So konnten wir sofort in die musikalische Arbeit eintauchen. Wir haben mit «Carmen» begonnen, was sich als der leichtere Einstieg erwiesen hat. «Hänsel und Gretel» ist deutlich anspruchsvoller – viel solistischer, und wenn etwas fehlt, fällt es sofort auf. Trotzdem: Die Arbeit läuft sehr gut, die Kinder sind wahnsinnig fokussiert und machen grossartig mit.

Gehst du die Probenarbeit anders an als mit einem Berufsorchester?

Im Prinzip probe ich genauso wie mit Profis: Ich höre zu und arbeite mit dem, was die Kinder anbieten. Wie in jedem anderen Orchester auch geht es um Zusammenspiel, das Meistern technischer Herausforderungen und das Suchen eines gemeinsamen Klangs. Dennoch darf man nicht vergessen, dass es Kinder sind, die hier ihre Freizeit investieren. Es ist also wichtig, dass die Proben auch ein gutes Erlebnis sind. Ich arbeite sehr lösungsorientiert und positiv. Einzelne herauszunehmen, vermeide ich eher.

Funktioniert das Zusammenspiel trotz der Altersunterschiede gut?

Das ist unterschiedlich. In grösseren Gruppen wie den Streichern ist das etwas einfacher, weil es eine klare Orientierung gibt. Bei den Holzbläsern, die solistischer sind, ist das komplizierter. Aber es entwickelt sich eine sehr schöne Dynamik: Ältere Kinder übernehmen Verantwortung und helfen den jüngeren, etwa beim Zählen oder bei Einsätzen. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt – das Orchester funktioniert auch als soziales Gefüge. Ich lasse ausserdem oft einfach Passagen wiederholen, ohne viel zu sagen. Dadurch sortieren sich viele Dinge von selbst.

Welche neuen Aspekte hast du in der Arbeit mit den Stücken entdeckt?

Die Klangvorstellung entwickelt sich mit den Kindern. Am Anfang sind sie stark mit der Technik beschäftigt: Wie spiele ich das überhaupt? Erst später entsteht der Blick für das Ganze. Wir hatten kürzlich einen Moment, in dem wir ein Stück nach mehreren Wochen Pause wieder gespielt haben – und es war ein riesiger Entwicklungssprung hörbar. Solche «Wow-Momente» sind unglaublich wichtig. Der Klang ist natürlich anders als bei einem Profiorchester: feiner, weniger kräftig. Viele spielen noch auf kleineren Instrumenten, und es fehlen auch einzelne Stimmen, etwa Tuba. Deshalb müssen wir sehr genau austarieren. Ich versuche, in jeder Probe solche besonderen Klangmomente zu schaffen, damit die Kinder ein Gefühl dafür entwickeln, worauf wir hinarbeiten.

Wie erlebst du die Motivation der Kinder?

Die ist enorm. Es gibt Tage mit mehreren Stunden Probe – und danach gehen die Kinder nach Hause und üben weiter. Das ist beeindruckend und ich glaube, diese Erfahrung, gemeinsam in einem Orchester zu sitzen und Klang zu erzeugen, ist unglaublich prägend. Viele erinnern sich später genau an ihr erstes solches Erlebnis. Darüber hinaus ist die Zusammenarbeit mit Profis ein grosser Motivationsfaktor. Wenn sie sehen: Wir spielen mit Musiker:innen und Sänger:innen aus dem Opernhaus – das wirkt sehr stark.

Ihr arbeitet mit Originalrepertoire. Ist das nicht sehr anspruchsvoll?

Definitiv – gleichzeitig ist der Anspruch, Originalrepertoire zu spielen, auch eine unglaubliche Motivation für alle Beteiligten. Dieser Anspruch und auch der Fokus auf die Opernliteratur mit konkretem praktischem Bezug zum Opernhaus unterscheidet uns von anderen Kinder- und Jugendorchestern. Man darf nicht vergessen, dass wir fast eine ganze Spielzeit an den Stücken arbeiten, dementsprechend braucht es Raum für Weiterentwicklung und Herausforderungen. Wichtig ist, die Balance zu finden: fordern, aber konstruktiv bleiben. Und ehrlich gesagt: Der Wille ist da. Die Kinder sind unglaublich konzentriert und bereit, alles zu geben. Ich muss gar nicht so viel einfordern – ich arbeite eher daran, dieses Potenzial zu lenken.

Wie geht es in der nächsten Spielzeit weiter?

Wir planen Ausschnitte aus Donizettis «L’elisir d’amore». Das ist musikalisch eine ganz andere Welt – Belcanto. Es wirkt auf den ersten Blick zunächst einfacher, verlangt aber viel Sensibilität im Zusammenspiel mit den Sänger:innen. Zusätzlich wird es einen zweiten Teil mit Tänzen geben – etwa von Dvořák, Brahms und Tschaikowski –, in dem der Fokus dann komplett auf dem Orchester liegt und jede Instrumentengruppe sich ausgiebig präsentieren kann. Das ist besonders für die Blechbläser, Harfen und Perkussion wichtig, die im normalen Opernrepertoire im Vergleich zu den anderen eher wenig zu tun haben.

Was ist deine langfristige Vision für das Orchester?

Ich wünsche mir, dass das Orchester über mehrere Jahre klanglich und sozial zusammenwachsen kann und wir eine Kontinuität schaffen, in der ältere Kinder die jüngeren anleiten. Idealerweise lernen alle Instrumentengruppen voneinander, und wir helfen den Kindern dabei, eine vielschichtige Musiker:innenpersönlichkeit zu entwickeln. Wir möchten sie früh ins gemeinsame Musizieren bringen – nicht nur alleine zu üben, sondern diese «Sprache Musik» direkt gemeinsam zu sprechen und vielleicht auch die Begeisterung für die Gattung Oper mit ihrem fantastischen Zusammenspiel von Orchester und Sänger:innen wecken. Und wenn man sieht, wie viel Energie und Begeisterung diese Kinder mitbringen, dann merkt man: Da entsteht wirklich etwas, auf das alle stolz sein können.

 


Dieser Artikel erschien im Magazin Nr. 5, Saison 2025/26

Ein normaler<br> Probesamstag

Erzählt von Jan, 12 Jahre, Violine

10:00

Heute Morgen um zehn stehe ich mit weiteren Kindern beim Opernhaus an der Billettkasse. Mit unseren Instrumentenkoffer fallen wir sofort auf – eine ältere Dame spricht mich an und meint, wie schön es sei, so viele Kinder hier zu sehen. Sie fragt, ob heute eine Kindervorstellung stattfinde. Ich erkläre ihr stolz, dass wir am 25. Mai 2026 selbst auf der Bühne stehen werden und heute Registerprobe hätten.

10:15

Inzwischen sind wir im Proberaum an der Kreuzstrasse angekommen. Mein Lieblingsraum, da steht jedes Mal ein anderes Bühnenbild, und ab und zu liegen auch Requisiten bereit. Heute ist der Raum jedoch nüchtern schwarz, keine fake Sandwiches, Zuckerwatten oder Tannenbäume aus Plastik… schade! Für einen Moment herrscht ein ziemliches Klangchaos – alle wärmen ihr Instrument auf. Dann bittet die Mentorin um Ruhe. Plötzlich wird es still, und der einheitliche Klang der A-Saite erfüllt den Raum. Dieser Moment fühlt sich immer ein bisschen magisch an.

12:30

Hungrig geht es zum Kreuzplatz, wo ich die Mittagspause verbringe! Inzwischen kenne ich schon viele der Orchesterkinder und freue mich, endlich ein bisschen Zeit zum Plaudern zu haben. Bringen wir heute wieder genug motivierte Kinder zum Springseil-Spiel zusammen?

14:00

Nur noch schnell auf Toilette und dann muss ich nochmals diese eine Stelle anspielen, bevor es mit der Tutti-Probe losgeht!

14:15

Ich liebe diese Klangsuppe, wenn das Orchester seine Instrumente stimmt. Es klingt so vertraut! Hoffentlich starten wir mit dem Prélude von «Carmen», das ist mein Lieblingsstück!

15:40

Uff!!! «Hänsel und Gretel» Nummer 4 habe ich definitiv zu wenig geübt, das muss ich zuhause nochmals anschauen. Pause! Ich muss unbedingt etwas trinken und frische Luft schnappen! Hoffentlich scheint die Sonne auch noch, wenn die Probe zu Ende ist.

16:00

Es fällt mir schwer zu zählen, wie schnell sind nun schon wieder die Viertel? Dirigiert Ann-Katrin nun in 2 oder in 4? Für die nächste Probe muss ich unbedingt die «Idiotenstriche» einzeichnen. Wie, schon vorbei?

16:45

Der zweite Teil ist wie im Flug vergangen! Nun schnell zusammenräumen, vielleicht erwische ich noch die letzten Sonnenstrahlen!

 



Dieser Artikel erschien im Magazin Nr. 5, Saison 2025/26
 

«Jetzt ist es wirklich<br>real geworden»

Im Gespräch mit der Musiktheaterpädagogin Thirza Möschinger

Thirza, seit dieser Spielzeit ist das Kinderopernorchester richtig gestartet. Wo begann für dich die Arbeit an diesem Projekt?

Vor etwa einem Jahr – rund neun Monate vor der ersten Probe. Die Konzeption und Planung hatte Roger Lämmli, Leiter der Musiktheaterpädagogik, bereits im Februar 2023 begonnen. Gleichzeitig wurde die Kooperation mit den 35 Musikschulen aufgebaut. Zuerst galt es, Probenpläne zu erstellen, Konzertorte zu reservieren und die insgesamt 28 Mentor:innen zu finden, die die Kinder coachen und in den Registerproben die Musikstücke erarbeiten. Danach mussten junge, talentierte Kandidat:innen für das Orchester gefunden werden. Meine Aufgabe bestand zu Beginn vor allem darin, den Anmeldeprozess und die Vorspiele zu organisieren sowie die ganze Administration zu bewältigen.

«Heute haben wir in der Registerprobe lange Zeit nur an zwei Takten geübt. Aber die Probenzeit ist verflogen, als wären es nur wenige Minuten gewesen!» Sandro, 11 Jahre, Violine 2

«Wenn ich nur schaue, dann sieht es aus wie ein Haufen von Kindern und man denkt, das töne dann sicher ziemlich schrecklich. Aber wenn alle spielen, tönt es wie bei einem Profiorchester.» Johann, 10 Jahre, Horn

Wie habt ihr die Kinder gefunden und ausgewählt?

Die Anmeldungen kamen über die Musikschulen des Kantons Zürich. Auf Empfehlung der Musikschullehrpersonen wurden engagierte Kinder für ein Vorspiel im Opernhaus Zürich angemeldet. Dabei war uns wichtig, dass das gegenseitige Kennenlernen der Kinder und ihrer Mentor:innen im Vordergrund steht und eine wohlwollende Atmosphäre herrscht.

Vorspiele sind dennoch eine grosse Herausforderung – wie seid ihr damit umgegangen?

Das Vorspiel sollte keine klassische Prüfungssituation darstellen. Vielmehr ging es darum, den Kandidat:innen ein ermutigendes Feedback zu geben, ihr Können zu würdigen und Sicherheit zu vermitteln. Mit der Einladung zum Vorspiel verschickten wir bereits Fotos der Mentor:innen; die Kinder wussten also schon im Voraus, wer ihnen begegnet. Dennoch waren einige Kinder sehr nervös, gerade weil es ihnen so wichtig war, in diesem Orchester mitspielen zu können. Um die Fähigkeiten der Bewerber:innen richtig einzuschätzen, besteht das Team der Mentor:innen jeweils aus erfahrenen Musikschullehrpersonen und Musiker:innen des Orchesters der Oper Zürich. Es ging darum, das Potenzial der Kinder zu erkennen – nicht darum, möglichst streng auszusortieren. In Einzelfällen wurde auch ein zweites Vorspiel ermöglicht.

Im letzten September begannen dann die Proben…

Genau. Und das war der Moment, in dem das Ganze wirklich greifbar wurde: die erste Tutti-Probe! Plötzlich sassen knapp 80 Kinder im Orchesterproberaum am Kreuzplatz. Alle waren sehr gespannt, wie das wohl klingen würde… Es war ein bewegender Augenblick, als der erste Akkord ertönte! Und dann spielten die Kinder die Ouvertüre von «Carmen». Da dachte ich: Jetzt ist es wirklich real geworden.

Das Opernhaus ist ein komplexer Betrieb und plötzlich muss ein neuer Klangkörper organisiert werden…

Absolut. Der Betrieb ist sehr dicht, Räume sind knapp, Abläufe komplex. Fragen und Schwierigkeiten erfordern viele Absprachen, und es müssen laufend pragmatische Lösungen gefunden werden. Ich habe in dieser Zeit unglaublich viel gelernt. Gleichzeitig war wichtig, dass das Projekt im Haus nicht bloss als zusätzliche Belastung, sondern als gemeinsames Anliegen gesehen wird.

Gab es einen Moment, in dem sich die Wahrnehmung im Haus verändert hat?

Ja, die Side-by-Side-Probe im Januar 2026 war entscheidend. Die Kinder hörten zunächst den Profi-Musiker:innen zu und sassen im zweiten Teil der Probe aber inmitten des Orchesters und spielten gemeinsam Ausschnitte aus «Carmen». Viele im Haus haben da zum ersten Mal wirklich realisiert, was dieses Projekt ist. Besonders beeindruckend war die Konzentration der Kinder – und beim Zusammenspiel wurde spürbar, wie verbindend das ist. Danach kamen auch viele positive Rückmeldungen aus dem Orchester.

Du bist Musiktheaterpädagogin. Welche Rolle spielt diese Perspektive in diesem Projekt?

Ich bin an einer spannenden Schnittstelle tätig: zwischen Kindern, Eltern, Musikschulen und dem Opernhaus. Da braucht es nicht nur organisatorische Fähigkeiten, sondern auch viel Fingerspitzengefühl, ein Verständnis für die Abläufe in einem Opernhaus und Musikkenntnisse. Probenpläne müssen erstellt, Noten vorbereitet und auf die Anliegen und Bedürfnisse der Mentor:innen, der Kinder und der Eltern muss eingegangen werden. Die Kinder in diesem Alter befinden sich in einer intensiven Lebensphase – Schule, Prüfungen, der Übertritt in die Sekundarschule oder ins Gymnasium, Wettbewerbe. Ich versuche, alles mitzudenken und gut zu begleiten.

Wie hat sich die Gruppe als soziales Gefüge entwickelt?

Einige kannten sich schon, viele haben sich hier neu kennengelernt. Es sind Freundschaften über den Kanton Zürich verteilt entstanden, und man merkt, wie ein echtes Gemeinschaftsgefühl wächst. Das Orchester ist nicht nur ein musikalischer, sondern auch ein sozialer Raum.

 



Dieser Artikel erschien im Magazin Nr. 5, Saison 2025/26